Bericht in der Zeitschrift Pferderegion Rheinland Ausgabe Juli 2006. Hier als PDF zum Download (400kB).
Wir, die Kinder, Helfer und Trainerin der Voltigiergruppen des Reit- und Fahrverein Alfter sind sehr traurig:
Unsere Pferde, mit denen wir seit Jahren zusammen arbeiten, wurden von fremden Kindern misshandelt und verletzt, ein Teil unserer Ausrüstung zerstört.
Beide Pferde fallen auf nicht absehbare Zeit aus.
Wir würden uns über Hilfe in jeder Form sehr freuen vielleicht gibt es einen Volti-Verein im Bonner Umland, der uns ein einmaliges Auswärtstraining ermöglichen kann, vielleicht mag jemand zu unseren Stunden kommen und das Holzpferd-Training mit Akrobatik, Falltraining oder ähnlichen themenbezogenen Einheiten auflockern, vielleicht gibt es ja auch jemanden der eine Gelddruckmaschine im Keller stehen hat und sie unbedingt loswerden möchte… ;o)
Wenn Sie uns in irgendeiner Form unterstützen möchten, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen, die nötigen Infos dazu finden sich am Ende der Seite.
Aktueller Stand der Dinge:
Zur Zeit versuchen wir, den Voltigierbetrieb mit Hilfe eines zur Verfügung gestellten, eigentlich schon im wohlverdienten Ruhestand befindlichen Ersatzponies aufrecht zu erhalten.
Unserer Pferde sind weiterhin und auch voraussichtlich dauerhaft nicht mehr einsetzbar, das Karpalgelenk der Stute ist irreparabel geschädigt, der Wallach hat eine Hufbeinsenkung erlitten.
Leider hat sich bezüglich einer eventuellen Regulierung des Schadens noch nichts Neues ergeben. Um die Tierarztrechnungen bezahlen zu können, versteigere ich einen Großteil meiner Ausrüstung bei ebay, vielleicht ist unter dem Verkäufernamen „voltis-in-not“ ja auch etwas für Euch dabei?.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich für die zahlreichen Hilfsangebote und die moralische Unterstützung bedanken, die uns aus dem gesamten Bundesgebiet erreicht hat!

Die ganze Geschichte:
Seit vielen Jahren betreue ich als Trainer B, Stud. Sonderpäd. mit ZQ Psychomotorik im Reit- und Fahrverein Alfter e.V. Voltigiergruppen für Kinder, von der Schritt-Galopp-Gruppe bis hin zur Psychomotorischen Gruppe. Hierbei arbeite ich mit meinen eigenen Pferden, die von mir in Eigenregie im Offenstall gehalten werden.
Mein Großer (Appaloosa PB, als fast Zweijährigen bekommen, selbst ausgebildet bis DLA III und WRA III, Voltigierpferd für Schritt- und Spielgruppen) hatte im März einen schweren Reheschub, ganz üble Zeit: er hat fast nur gelegen, mit Müh und Not wieder hinbekommen. Ich habe den kompletten Stall umgebaut: die Pferde getrennt, dicke Gummimatten in den Stall, eigens für Winni angelegter kleiner Sandpaddock, komplette Fütterung umgestellt, Spezialbeschlag, mehrere Klinikaufenthalte, Wochen des Bangens und Hoffens, immer haarscharf an der schlimmsten Entscheidung vorbei geschlittert. Dann Cushing als Auslöser indentifiziert, Behandlung begonnen, das Pferd wurde schmerzfrei, lahmte nicht mehr, fast wieder ganz der Alte.
Die kleine Stute habe ich ebenfalls selbst ausgebildet, mit ihr arbeite ich zur Zeit wegen Winnis Ausfall ausschließlich, sie ist eine absolute Lebensversicherung und ein Schatz im Umgang mit Kindern, lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen, ein echtes Goldstück.
Dann der Tag, an dem alles anders wurde:
Drei gelangweilte Kinder betreten am 25. Mai unerlaubt mein Grundstück (rundherum 1,60 Maschendrahtzaun plus Stacheldraht darüber, 1,80m Metalltor). Sie verwüsten meinen Stall, ein Großteil der Ausrüstung ist im Stall auf dem Boden verteilt, die Pferde willkürlich mit insgesamt 20 kg Kraftfutter zugeschüttet, die Stute hat Striemen auf der Kruppe, eine kleine blutende Wunde am Maul, von ihrer Mähne sind 20 cm abgeschnitten. Diverse Ausrüstung ist beschädigt, völlig verdreckt bzw. entwendet.
Überall in beiden Paddocks verteilt liegen Gerten und Longierpeitschen (insgesamt 7 Stück), Renn- und Bremsspuren, ein umgenknickter Zaunpfahl. Winni ist stocklahm und kann sich nicht mehr bewegen, lässt sich nicht mehr anfassen. Die bis dahin unbeweidete Wiese ist zertrampelt.
Die Polizei kommt und kann zunächst nur wegen Hausfriedensbruch ermitteln. Durch Zufall (Spaziergänger mit Hund) erfahre ich, wann das Ganze passiert ist und wer daran beteiligt war - ein Mädel, das nur 100 m entfernt von der Weide wohnt, gemeinsam mit zwei Freundinnnen, beides Reitschülerinnen einer Reitschule in der Nachbarschaft.
Ich fahre mit der Polizei dorthin, das Mädchen erzählt alles ganz freimütig.
Dann der Schock: sie haben beide Pferde geritten, longiert und mit Peitschen durch den Paddock gejagt. Auch den Wallach, der zu der Zeit noch nicht einmal spazieren geführt werden darf. Sie haben ihn die abschüssige und unebene Weide rauf- und `runtergeritten, immer wieder.

Ich bin fassungslos. Das Pferd hat eine Odyssee hinter sich, war quasi wieder hergestellt, nach langen Wochen des Bangens und Hoffens, dreimal standen wir vor der Entscheidung, ob das Ganze noch Sinn macht. Er kämpft sich durch und erholt sich - und dann das…
Pulsation auf allen vier Füssen, er bewegt sich nicht mehr, kann kaum stehen - es geht wieder von vorne los.
Die Stute lahmt ebenfalls, auch Pulsation an beiden Vorderbeinen, leichter Reheschub - sie ist nun in der Klinik und wurde am Karpalgelenk operiert.
Beide Pferde sind verstört, lassen sich nicht gerne anfassen, haben zur Zeit extremen Stress in der Gegenwart von Kindern.
Die Täterinnen sind Mädchen, alle unter vierzehn, also nicht strafmündig, sehen noch nicht einmal ein, dass sie etwas Falsches getan haben, ich habe bislang noch nicht einmal einen Hauch von "Entschuldigung" gehört, auch nicht, nachdem ich ihnen klar gemacht habe, dass dies im schlimmsten Fall Winnis Todesurteil sein könne. Ich bin sauer und unendlich traurig.
Alles war umsonst, der Kampf, die Schmerzen, der Aufwand, nicht zuletzt auch noch das Geld für die aufwendige, aber erfolgreiche Behandlung von dem Großen.
Den Pferden, die über lange Zeit den vorsichtigen und freundlichen Umgang auch mit anstrengenden Kindern gelernt haben, wurden von anderen Kindern Schmerzen in unvorstellbarem Ausmaß zugefügt.
Beide Pferde fallen auf nicht absehbare Zeit aus.
Mittlerweile wurde gegen die Kinder Anzeige wegen Tierquälerei, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl in besonders schwerem Fall erstattet.
Stephanie Keup
Voltigieren@voltigieren.org
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